Anzeige

Stolzer Strauß und wütender Tiger. Tierbronzen des 19. Jahrhunderts

Im Rahmen der Präsentation Von Turner bis van Gogh in der Alten Pinakothek in München wirft eine Schau bronzener Tierdarstellungen einen neuen Blick auf die Entwicklung der Tierplastik im 19. und frühen 20. Jahrhundert: von höfischer Herrschaftsikonografie über die Entdeckung des Nutztieres als künstlerisches Motiv bis hin zu exotischen Arten im Spannungsfeld von Zoologie und Kolonialgeschichte.

Tierstudien in Bronze: Von der Naturbeobachtung zur Kunstform

Die bronzenen Tierdarstellungen des 19. Jahrhunderts nehmen ihren Ausgang bei den sogenannten Animaliers. Künstler wie Antoine-Louis Barye und Pierre-Jules Mêne gelten als Pioniere dieser Gattung und begründen eine neue Wertschätzung für das Tier als eigenständiges künstlerisches Motiv. Mit präziser Naturbeobachtung, anatomischer Genauigkeit und großer Sensibilität für Bewegung und Charakter der dargestellten Tiere lösen sie sich schrittweise von der rein dekorativen oder rein symbolischen Funktion. Ihre Werke markieren den Übergang von der höfisch geprägten Tierikonografie hin zu einer autonomen Tierplastik, die das Tier um seiner selbst willen in den Mittelpunkt stellt.

Anzeige

Zwischen Macht und Alltag: Der Wandel der Tiermotive

Zu Beginn sind Tierskulpturen vor allem im Kontext der Herrschersymbolik zu finden: Löwen, Adler oder andere mächtige Tiere stehen stellvertretend für Stärke, Souveränität und politische Macht. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts setzt jedoch eine deutliche künstlerische Neuorientierung ein. Die Darstellung von Nutztierrassen – etwa Pferden, Rindern oder Hunden – rückt in den Mittelpunkt. Diese Hinwendung zum Alltäglichen und Vertrauten geht einher mit einer Abkehr von der repräsentativen Denkmalkunst. Anstatt monumentale, heroische Bildprogramme zu bedienen, interessiert nun das individuelle Tier, sein Körperbau, seine Funktion im menschlichen Lebensumfeld und seine stille Präsenz. Die Tierplastik entwickelt sich zu einem eigenständigen Feld, das realistische Beobachtung und emotionale Nähe verbindet.

Skulpturen in der aktuellen Sonderausstellung in der Alten Pinakothek in München

Tierplastik im Spannungsfeld globaler Verflechtungen

Ein eigener Schwerpunkt der bronzenen Tierdarstellungen liegt auf exotischen Arten, die im 19. Jahrhundert in Europa zunehmend sichtbar werden. Zoologische Gärten etablieren sich als neue Orte der Begegnung mit der fremden Tierwelt und prägen zugleich das Bild dieser Tiere in der Öffentlichkeit. Die Skulpturen erzählen von der Faszination für das Fremde, von wissenschaftlicher Neugier und der Systematisierung der Natur. Gleichzeitig verweisen sie auf die politische und wirtschaftliche Realität ihrer Zeit: Die Präsenz exotischer Tierarten in europäischen Sammlungen und Zoos ist eng mit den Verflechtungen der deutschen und europäischen Kolonialgeschichte verbunden. Die bronzenen Tierplastiken werden damit zu Zeugnissen eines komplexen Beziehungsgeflechts aus Naturbeobachtung, Unterhaltung, Wissenschaft und kolonialer Expansion.

Anzeige

Ausstellung Stolzer Strauß und wütender Tiger. Tierbronzen des 19. Jahrhunderts in der Alten Pinakothek – Öffnungszeiten und Eintritt

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr

Am Dienstag und Mittwoch schließt die Alte Pinakothek erst um 20:00 Uhr.
Am Montag hat das Museum geschlossen.

Eintrittspreise
Der Eintritt in die Ausstellungen in der Alten Pinakothek in München beträgt regulär 9 Euro // ermäßigt 6 Euro.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben in alle Pinakotheken grundsätzlich freien Eintritt.

Am Sonntag kostet der Eintritt in die Ausstellungen 1 Euro.

Ausstellungszeitraum
24. März 2026 — 11. Oktober 2026

Alte Pinakothek
Erdgeschoss | Ostflügel | Saal IIc
Barer Straße 27
80333 München

Telefon: 089 – 238 05 216
E-Mail: info@pinakothek.de


Diese Ausstellungen in der Alten Pinakothek in München könnten dich auch interessieren:

Anzeige