Eine neue Ausstellung im Innenhof des Münchner Künstlerhauses lädt Interessierte ab 20. April 2026 ein, den Fragmente Zyklus von Martin Wiese als konzentrierte Begegnung mit zeitgenössischer Steinbildhauerei zu entdecken: Drehbare Köpfe, geschlossene Augen und Kontraste zwischen Bruchkante und Präzision lassen stille, beinahe zeitlose Gestalten entstehen. Für Besucher:innen entfaltet sich ein Raum, in dem Naturstein, Erinnerungen an ferne Orte und die künstlerische Entwicklung Wieses auf besondere Weise zusammenfinden. Der Eintritt ist frei.
Wie Bruchsteine zu Skulpturen wurden – der Fragmente Zyklus von Martin Wiese

Skulpturen von Martin Wiese entstehen aus der Verdichtung vielfältiger Erfahrungen, unter anderem längerer Arbeitsaufenthalte in der Türkei und in Sri Lanka, wo der Bildhauer die Wiedererrichtung historischer Gebäude und Skulpturen leitete. 2008 führte ein Zufall während eines Workshops von Martin Wiese zur Reihe der „Fragmente“: Bei einer Kursteilnehmerin brach der Kopf ihrer Skulptur ab. Wiese montierte ihn mit zwei dünnen Metallstangen wieder an den Körper und stellte die Figur auf einen neutralen Sockel – das Objekt wirkte plötzlich wie ein antikes Museumsstück. Diese Erfahrung verband sich mit den Eindrücken zahlreicher Marmortorsi in türkischen Museen, bei denen fehlende Körperteile mit Eisenstangen konstruktiv ergänzt wurden. In Steinbrüchen in Westfalen und Niedersachsen suchte Wiese fortan nach natürlich gebrochenen Steinen, deren Formen er als Körper und Köpfe neu kombinierte und so die Reihe seiner fragmentierten Skulpturen entwickelte.
Wenn Naturstein erzählt: Materialkontraste in den Skulpturen von Martin Wiese

Martin Wiese bearbeitet die Köpfe seiner Skulpturen nur teilweise, um den Kontrast zwischen behauenem und unbearbeitetem Stein zu betonen; der rohe Block wirkt wie eine Kopfbedeckung, bisweilen bizarr und fremdartig. Über integrierte Kugellager sind die Köpfe aus dem Fragmente Zyklus rundum drehbar, wodurch sich wechselnde Perspektiven und unterschiedliche Ausdrucksweisen ergeben. Alle Figuren sind mit geschlossenen Augen und ohne Ohren gestaltet – die Gestalten scheinen im Stein zu ruhen, entziehen sich dem direkten Gegenüber und bleiben doch charakterstark und stimmungsvoll präsent. Prof. Susanne Windelen von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart beschreibt seine Skulpturen als fragmentierte Körper aus Stein, die aus dem Spannungsverhältnis von Bruchkante und präzise ausgearbeitetem Gesicht leben. Ihre Präsentation erinnert an archäologische Funde und archaische Figuren verschiedener Kulturen; die Titel verweisen auf antike Götter, afrikanische Völker, vergangene Reiche und buddhistische Gottheiten. So entstehen Skulpturen, die Schutz, Wächtertum und Glücksboten aus fernen, imaginären Welten heraufbeschwören.
Vom Stein zur Bronze – limitierte Unikate mit archaischer Strahlkraft

Seit 2017 lässt Martin Wiese ausgewählte Steinskulpturen als limitierte Edition in Bronze gießen. Aus jeder Form entstehen bis zu acht Bronzeunikate, deren archaische Präsenz sich mit kraftvollem Glanz verbindet. Sie strahlen eine besondere Würde und Erhabenheit aus. Für jeden neuen Bronzeguss wird zunächst ein Wachsmodell in Originalgröße gefertigt, das im Wachsausschmelzverfahren die Gussform für die rund 1200 Grad heiße Bronze bildet. Nach dem Freilegen der Skulptur folgen das Sandstrahlen, Schweißen, Ziselieren, Patinieren, Bürsten und Wachsen, bis ein hochwertiges Unikat entsteht. In der Ausstellung im Münchner Künstlerhaus sind zwei Arbeiten aus dem Zodiac Zyklus zu sehen, in denen sich die Formensprache der Steinskulpturen von Martin Wiese in der Bronze als klassischem Material der Bildhauerei verdichtet.
Vom Handwerk zur künstlerischen Handschrift von Martin Wiese

Martin Wiese (* 1958) arbeitet seit 1979 mit Stein – zunächst über zwei Jahrzehnte vor allem in der Restaurierung historischer Monumente, unter anderem in Berlin, in der Türkei, in Kopenhagen und bei einem mehrjährigen Großprojekt in Sri Lanka. Seit seiner Meisterausbildung in Freiburg im Breisgau und der Ateliergründung auf dem Maierhof im Schwarzwald entwickelt er eigenständige Skulpturenzyklen wie die „Fragmente“, „Monolithen“, „Elemente“ und den „Zweistein Zyklus“. Seine überwiegend aus Naturstein geschaffenen Skulpturen sind Unikate von archaischer Präsenz; die häufig drehbaren Köpfe eröffnen variable Blickwinkel und veränderliche Ausdrucksweisen. Viele dieser Arbeiten finden sich heute in Gärten, Häusern und Firmengebäuden in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Die Ausstellung im Innenhof des Münchner Künstlerhauses zeigt eine Auswahl dieser Skulpturen von Martin Wiese und lädt zu einer Auseinandersetzung mit dem Fragmente Zyklus ein. In der Begegnung mit den archaisch anmutenden Steinfiguren eröffnen sich für Besucher:innen und Interessierte vielschichtige Assoziationen – zwischen archäologischer Erinnerung, meditativer Versenkung und zeitgenössischer Bildhauerei.
Martin Wiese: Fragmente Zyklus im Münchner Künstlerhaus – Öffnungszeiten und Eintritt
Die Ausstellung Martin Wiese: Fragmente Zyklus ist zwischen 20. April und 18. September 2026 von Montag bis Freitag öffentlich zugänglich im Innenhof des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz. Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten
Montag – Freitag
09:00 – 18:00 Uhr
Vernissage
17. April 2026
18:00 Uhr
Um telefonische Voranmeldung zur Vernissage wird gebeten unter 089 599 184 14.
Eintritt
Der Eintritt in die Ausstellung und zur Vernissage ist frei.
Spenden sind herzlich willkommen.
Erwerb von Kunstwerken
Interessierte haben die Möglichkeit, die ausgestellten Werke käuflich zu erwerben.

Münchner Künstlerhaus – Ausstellung Martin Wiese: Fragmente Zyklus
20. April 2026 – 18. September 2026
Münchner Künstlerhaus
Lenbachplatz 8
80333 München
Telefon: 089 – 59 91 84 14
E-Mail: info@kuenstlerhaus-muc.de

