Die aktuelle Ausstellung im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern in München gewährt Besucher:innen einen seltenen Einblick in die Arbeitsweise des Fotografen Helmut Newton. Die Fotoausstellung präsentiert über 150 Polaroid-Werke, die als fotografische Skizzen für Newtons ikonische Modeaufnahmen dienten und seine spontane Bildsprache dokumentieren.
Die Polaroid-Revolution in der Fotografie
Seit den 1960er-Jahren revolutionierte das Polaroid-Verfahren die Fotografie. Edwin Land entwickelte bereits 1947 die Sofortbildfotografie für die Polaroid Corporation in Cambridge. Die besonders beliebte SX-70-Kamera ermöglichte eine vollautomatische Bildentwicklung, während andere Verfahren zusätzliche Fixierflüssigkeit erforderten.

Charakteristika der Polaroid-Fotografie:
- Sofortige Bildverfügbarkeit nach Belichtung
- Meist unikatäre Prints ohne Negative
- Vorläufer der heutigen Digitalfotografie
- Einsatz als Vorstudien oder eigenständige Kunstwerke
- Anwendung in allen fotografischen Bereichen
Spontaneität als künstlerisches Prinzip: Helmut Newtons kreative Arbeitsweise mit Polaroids
Helmut Newton nutzte verschiedene Polaroid-Kameras für seine Modeaufträge. Das ungeduldige Verlangen, sofort die Bildwirkung zu überprüfen, trieb ihn zur Sofortbildfotografie. Die Polaroids dienten als Ideenskizzen zur Kontrolle von Lichtsituation und Bildkomposition.
Seit den 1960er-Jahren setzte Newton Polaroid-Kameras systematisch ein. Meist reichten wenige Aufnahmen für den ersten Kontrollblick – außer bei seiner “Naked and Dressed”-Serie, wo er das Material “kistenweise” verbrauchte. Nach dem Polaroid-Test folgte das finale Bild mit der Spiegelreflexkamera auf “richtigem” Film. Typisch waren seine handschriftlichen Notizen am Bildrand mit Angaben zu Modell, Auftraggeber und Aufnahmedaten. Diese ursprünglichen Arbeitsmaterialien entwickelten sich zu eigenständigen Kunstwerken.

Vom Arbeitsmaterial zum Kunstobjekt
1992 veröffentlichte Newton “Pola Woman” bei Schirmer/Mosel – ein Buch ausschließlich mit Polaroid-Fotografien. Trotz kontroverser Diskussionen verteidigte er die Spontaneität und Schnelligkeit des Mediums. Heute werden signierte Exemplare zu hohen Preisen auf dem Kunstmarkt gehandelt.
Besonderheiten der Polaroid-Ästhetik:
- Unvorhersehbare Farbveränderungen und Kontraste
- Sichtbare Gebrauchsspuren und Unschärfen
- Handschriftliche Ergänzungen am Bildrand
- Experimenteller Charakter der Technik
- Autonomer Wert als Unikate
Die Ausstellung zeigt über 150 Werke: gerahmte SX-70- und Polacolor-Prints sowie kaschierte Polaroid-Vergrößerungen, ergänzt durch historische Kameras aus Berliner Privatsammlung.
Fotoausstellung Helmut Newton. Polaroids – Öffnungszeiten und Eintritt
Das Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung hat täglich außer mittwochs zwischen 10:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Am Freitags schließt die Ausstellung erst um 20:00 Uhr. Ausstellungen im Kunstfoyer können bei freiem Eintritt besucht werden.
Öffnungszeiten
Donnerstag – Dienstag
10:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch
geschlossen
Freitag
10:00 – 20:00 Uhr
An Weihnachten (24. und 25. Dezember 2025) sowie an Silvester (31. Dezember 2025) hat das Kunstfoyer nicht geöffnet.
Eintritt
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.
Ausstellung Helmut Newton. Polaroids im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern (VKB) in München
Ausstellungzeitraum
15. Oktober – 22. Februar 2026
Kunstfoyer
Thierschplatz 6
80538 München
Telefon: 089 – 2160 2244
Diese Ausstellungen in München könnten dich auch interessieren:

